Dark Web – Studie bestätigt ethisch-rechtliches Dilemma

Die hohe Anonymität des Dark Webs, das zwar über herkömmliche Server und Cloud Hosting betrieben wird, aber nur über Tor erreicht werden kann, schützt Menschen in Diktaturen vor Verfolgung und Zensur. Gleichzeitig wird das Dark Web aber auch von Kriminellen zum Beispiel für den Handel von Drogen und Waffen und zum Austausch von Kinderpornografie genutzt.

Eine Studie der Virginia Tech, die im Fachmagazin PNAS erschienen ist, hat nun untersucht, welche Nutzung des Dark Webs überwiegt.

„Wie bei jedem Werkzeug, das für Gutes wie für Böses genutzt werden kann, stellt sich die Frage, ob die Vorteile die negativen Seiten übertreffen.“

Eric Jardine

Guard Nodes des Tor-Netzwerks betrieben

Zur Analyse des Datenverkehrs betrieben die Wissenschaftler vom Dezember 2018 bis August 2019 ein Prozent der Guard Nodes (Einstiegsknoten) des Tor-Netzwerks. Sie konnten dadurch mitschneiden, ob das Netzwerk lediglich zur anonymen Internetnutzung verwendet wurde oder ob darüber Onion/Hidden Services (verborgene Seiten) aufgerufen wurden.

Welche Inhalte die Tor-Nutzer im Dark Web und im „normalen“ Teil des Internets gesucht haben, konnten die Wissenschaftler dank der Anonymität des Onion-Netzwerks nicht nachverfolgen. Auch IP-Adressen der Nutzer wurden nur teilweise gespeichert, um das Land aus dem die jeweilige Anfrage kommt identifizieren zu können.

„Für unsere Analyse gehen wir aber davon aus, dass die Tor-Klienten, die Onion/Hidden Services anvisieren, wahrscheinlich vorwiegend illegale Aktivitäten im Sinn haben, wie den Besuch von Hackerforen, Drogenumschlagsplätzen oder kinderpornografischen Seiten.“

Eric Jardine

Dark Web Inhalte kaum genutzt

Extrapoliert zeigen die Studiendaten, dass täglich etwa zwei bis 2,5 Millionen Menschen das Tor-Netzwerk nutzen. Ein Großteil davon verwendet Tor lediglich, um anonym das normale Internet nutzen zu können, greift aber nicht auf Dark Web Inhalte zu.

„Nur 6,7 Prozent aller Tor-Nutzer unserer Stichprobe besuchten Seiten der Onion/Hidden Services. Anders ausgedrückt: Nur rund einer von 20 Tor-Nutzern verwendet das System an einem beliebigen Tag für illegale Zwecke.“

Eric Jardine

Die Studie widerlegt damit die häufige Annahme, dass das Tor-Netzwerk hauptsächlich von Kriminellen verwendet wird.

„Unsere Daten sprechen eher dafür, dass die Tor-Nutzer im Allgemeinen vergleichsweise legale Dinge mit dem Tor-Netzwerk tun und gar keine Inhalte der Onion/Hidden Services anschauen.“

Eric Jardine

Tor-Nutzung abhängig von Regierungsform

Die Analyse zeigt außerdem, dass die Art der Tor-Nutzung sich zwischen einzelnen Staaten deutlich unterscheidet. Menschen in politisch unfreien Staaten verwenden Tor häufiger, um anonym das normale Internet zu nutzen. Der Anteil der Dark Web Zugriffe liegt in Algerien, Russland, China und anderen Ländern mit staatlicher Zensur bei nur 4,8 Prozent. In Ländern mit liberalen Systemen und Meinungsfreiheit sind hingegen 7,8 Prozent aller Tor-Zugriffe auf Inhalte des Dark Webs.

: „Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass sich die legale und illegale Nutzung des Tor-Netzwerks je nach politischem Kontext deutlich unterscheidet. Die potenziell kriminelle Nutzung konzentriert sich eher in freien Regimen, während Nutzer aus unfreien Ländern das System eher für politische und bürgerrechtsbezogene Zwecke einsetzen.“

Eric Jardine

Studie belegt ethisch-rechtliche Dilemma des Dark Webs

Die Wissenschaftler konstatieren, dass die Studie ethisch-rechtliche Dilemma des Dark Webs bestätigt. Es muss deshalb innerhalb einer Gesellschaft diskutiert werden, ob und bis zu welchem Punkt die Nachteile der kriminellen Nutzung die Vorteile der anonymen Internetnutzung aufwiegen. Dies ist besonders problematisch, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung auch andere Länder mit deutlich anderen politischen Voraussetzungen einbeziehen muss.

: „Lässt man das Tor-Netzwerk aktiv und frei von gesetzlicher Überwachung, dann kann dies Schaden anrichten, weil das System Drogenhandel, Kindesmissbrauch und Waffenhandel begünstigt. Wenn man Tor zumacht, würde dies Dissidenten und Menschenrechts-Aktivisten schaden – vor allem in repressiven System, in denen ein solcher technologischer Schutz am nötigsten gebraucht wird.“

Eric Jardine

Einige Länder, darunter auch Deutschland planen als Reaktion auf die kriminelle Nutzung des Dark Webs inzwischen spezielle Gesetze, die vor allem beim Kampf gegen kriminelle Marktplätze helfen sollen. Gänzlich verbieten möchte Deutschland den Zugang zum Tor-Netzwerk aber nicht.

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