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Internet-Standards – Huawei möchte IETF-Vorsitz übernehmen

Huawei möchte den IETF-Vorsitz übernehmen. Politische Gründe sprechen laut Experten aber gegen eine Wahl des chinesischen Unternehmens.

Die Internet Engineering Task Force (IETF) ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden, der die Arbeit der zur Normierung von Internet-Standards gegründeten Organisation steuert. Beworben haben sich überraschend auch zwei Mitarbeiter von Futurewei, einem chinesischen Forschungsunternehmen, das zu Huawei gehört.

Es handelt sich bei den Mitarbeitern um Barry Leiba und Alvaro Retana. Leiba arbeitet seit 2009 für Huawei und war vorher lange für IBM tätig. Retana ist ein ehemaliger Cisco-Ingenieur und nun bei Futurewei als Vice President Strategy im Bereich Future Networks verantwortlich für das Konzept „New IP“, das den heutigen Internetstandards TCP/IP ablösen soll.

Parallele Tätigkeit bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU)

Überraschend ist dies besonders, weil Huawei parallel zur Bewerbung um den IETF-Vorsitz versucht bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) eine neue Internet-Architektur zu etablieren, die gegenläufig zu den Interessen der IETF ist. Außerdem unterliegt Huawei und damit auch das Tochterunternehmen Futurewei noch immer den Sanktionen der US-Regierung. Die Bewerbung der beiden Futurewei-Mitarbeiter ist also auch aus politischer Perspektive brisant.

New-IP soll Internet leistungsfähiger machen

Laut Huawei soll der New-IP Internet-Standard den aktuell im Webhosting genutzten TCP/IP ersetzen. Dieser ist laut dem chinesischen Konzern nicht leistungsfähig genug für anspruchsvolle Nutzungsszenarien. Bislang wurde das Konzept, das auch den Namen Future Vertical Communications Networks (FCVN) nutzt, von den IETF-Teilnehmern aber bereits viermal abgelehnt.

Allen Anschein nach versucht der chinesische Konzern Huawei nach den erfolglosen Versuchen zur Etablierung des Internet-Standards nun den US-Amerikaner Barry Leiba für seine Zwecke zu nutzen. Leiba ist langjähriger IETF-Teilnehmer und hat zahlreiche RFC-Spezifikationen im E-Mail-Bereich publiziert. Er gilt in der IETF als gut vernetzt und einflussreich. Ob dies ausreicht, um das Nominierungskomittee von den New-IP-Plänen von Huawei zu überzeugen, ist allerdings fraglich.

Weitere Bewerber auch aus Deutschland

Am wahrscheinlichsten ist es laut einer Reihe von Experten ohnehin, dass das Nominierungskomitee sich für einen anderen Kandidaten entscheidet, um die Einflussname von Huawei und den drohenden politischen Ärger zu vermeiden. Beworben haben sich für den IETF-Vorsitz unteranderem Adrian Farrel und der ehemalige Cisco-Ingenieur Fred Baker. Im Zeitraum von 1996 bis 2002 war Baker bereits der Vorsitzende der IETF. Seine Chancen zur Wiederwahl sollen gut sein.

Außerdem haben sich Lars Eggert von NetApp, Rich Salz von Akamai und Deborah Brungard von AT&T um den Vorsitz beworben. Eggert gehört zwar zu den jüngeren Bewerbern, konnte in der Internet Research Task Force (IRTF) der IETF aber bereits mehrere Jahre sein Fachwissen zeigen. Möglicherweise erhält der IETF somit seinen ersten Vorsitzenden aus Deutschland. Die Wahl erfolgt Anfang 2021.

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